Fotokiste: Konrad Kujau

Er galt als der spektakulärste Fälscher des 20. Jahrhunderts und alle - fast alle - haben breit gegrinst. Vor allem er, Konrad Kujau, der die halbe Welt zum Narren hielt.
Im April 1983 kündigte das Wochenmagazin stern überraschend an, die Geschichte des Nationalsozialismus müsse neu geschrieben werden. Die Zeitschrift habe die bis dahin unbekannten und verschollenen Tagebücher Adolf Hitlers entdeckt und werde diese nun veröffentlichen. Über seinen Starreporter Gerd Heidemann sei der stern auf abenteuerlichem Weg zu Hitlers Tagebüchern gelangt.
Für viele Millionen hatte der stern 28 Bände mit detailgenauer Schilderung aus dem privaten und politischen Leben des Diktators gekauft - den Führer plagten die Magenwinde ebenso wie die aufsässige Generalität. Einige Wochen später bewiesen die chemischen Papierproben, dass es sich um Fälschungen handelte. Die Kladden konnten nicht vor 1950 geschrieben worden sein.
Wer über Wochen hinweg die gesamte Öffentlichkeit, den Verlag Gruner + Jahr sowie die akademische Fachwelt mit einer derartigen Räuberpistole auf den Leim führte, der musste schon das Fälschergen besitzen. Der kleine, rundliche Konrad Kujau, ein in Stuttgart lebender Devotionalienhändler, hatte mit immenser Ausdauer, gehöriger Imaginationskraft und reichlich Schlawinertum diese Meisterleistung vollbracht.
Für seinen Schwindel kam Kujau dann auch einige Jahre in den Knast. Ein köstlicher Film mit Uwe Ochsenknecht als Kujau und Götz George als Heidemann verstärketen den Kultstatus von Conny Kujau. Nach seiner Zeit im Gefängnis, mit dem stern-Geld war er ein gemachter Mann, betrieb Kujau in der Stuttgarter Schreiberstrasse 22 seine Galerie der Fälschungen.
Kujau war kein Kopist, sondern hat sich immer als Fälscher bezeichnet. Darauf legte er Wert: Kein Kopist, sondern ein Fälscher zu sein. Denn meist malte er im Stil eines Malers, aber er malte keine Bilder ab. Das Ganze war natürlich halbseiden. Kujau signierte deutlich mit der Unterschrift des Maestro und in die rechte untere Ecke plazierte er - kaum lesbar - sein Signet Kujau.
In seiner 50qm-Galerie wimmelte es von van Goghs, Toulouse-Lautrecs und Cesannes. Auch Handschriften und Notenblätter vom alten Fritz bis zu Mozart hingen auf vergilbtem Papier eingerahmt. Ich besuchte Anfang der 90er Jahre die Galerie zwei- oder dreimal und fand den Meisterfälscher als kauzigen Spaßvogel mit fleißiger und kundiger Fälscherhand. Heute nachmittag muß ich noch schnell einen Matisse malen, meinte er verschmitzt.
Am meisten lag ihm Pablo Picasso. Ein jeder würde einen Kujau-Picasso für einen echten Picasso halten. Aber was soll’s: Ob falscher Picasso oder echter Kujau - der eine war das Genie der Künstlerzunft, der andere ihr Schelm.