US-Zeitungen: kleiner, aber feiner

Aus den USA erreichen uns interessante Medien-Neuigkeiten (die erfahrungsgemäß mit zwei-, dreijähriger Verspätung auch bei uns durchschlagen): Das Audit Bureau of Circulations vermeldet für das letzte Halbjahr ein deutliches Schrumpfen der Verkaufsauflage der meisten großen amerikanischen Tageszeitungen. Der Miami Herald, der Houston Chronicle oder der Boston Globe, bei der Tagesauflage verlieren sie alle im zweistelligen Prozentbereich.

Das Erstaunliche dabei: Dieser Rückgang ist nicht nur eine rezessive Marktbewegung, er ist von den Verlagshäusern vielmehr auch so gewollt. Viele Zeitungen haben auf Kosten der Auflage ihre Kioskpreise erhöht, die freien und rabattierten Abos gestutzt oder ihre überregionale und internationale Belieferung eingeschränkt. Als Ziel gilt neuerdings, sich auf die profitablen Kunden zu konzentriert. Die Schlagwort lautet paid quality circulation, die Fokussierung auf die bezahlte Qualitätsauflage.

Viele Verlage investieren die frei werdende Profitabilität ins digitale Geschäft. Auch Anzeigenkunden wissen diese Strategieumkehr mittlerweile zu schätzen. Insbesondere crossmedial, wenn also Print und Web in Arbeitsteilung gehen. Print konzentriert sich fortan auf die gewinnbringenden Bereiche, im Web erreiche ich die Menge. Dieser neue Ansatz scheint aufzugehen: Die US-Verleger weisen darauf hin, dass sie nun über beide Kanäle - Kernzielgruppe Print und Massenzielgruppe Web - mehr Menschen erreichen als jemals zuvor.

Die amerikanischen Zeitungsverleger vollziehen als erste das Umsteuern. Nicht mehr die schiere Auflage zählt, sondern die Kundenrentabilität. Gewinn geht vor Größe. Willkommen auf dem Boden der Tatsachen!

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