Was ist ein Zeitungs-Abo?
Für die Medienbranche fallen eine Konjunkturkrise und eine Strukturkrise zusammen. Strukturell geht, da beißt die Maus keinen Faden ab, der Printkonsum zurück. Tageszeitungen verlieren Abonnenten, die Lesedauer sinkt, die Stückzahlen fallen.
Dies ist ein bedauerlicher Umstand, dessen sozio-kulturelle Auswirkung noch gar nicht abzusehen ist. Denn das Zeitungs-Abo war stets mehr als der bloße Bezug einer Tageszeitung. Das Zeitungs-Abo galt auch als Ausweis einer gewissen bürgerlichen Wohlsituiertheit.
Wenn geheiratet wurde, wenn die Gründung eines neuen Haushaltes anstand, wenn Kinder kamen, dann dachte man auch an das Abonnement der regionalen Tageszeitung. Die Zeitungslektüre entwickelte sich zu einem Anker der familiären Kommunikation.
Im Laufe des Tages wanderte die Zeitung von einer Hand in die andere. Beim Frühstück Vater und Mutter, am Vormittag die Oma und nachmittags die Nachbarn. Die Zeitung gehörte zum festen Bestandteil der bürgerlichen Tagesroutine.
In dem Maße wie diese bürgerliche Routine zerbröselt, so geht auch der Konsum der Tageszeitung zurück. Wenn die Abodichte in einem Stadtviertel sinkt, kann dies zugleich auch als Indiz für den Niedergang des Stadtteils angesehen werden.
Zuerst wird das Abo gekündigt, später liegt dann der Müll und der Dreck herum, schließlich werden die Wände beschmiert und die Scheiben zertrümmert. Das gutsituierte Mittelschichtsmilieu erlebt seinen Niedergang. Nicht nur die Tageszeitung.