Fotokiste: Benny Goodman

Den Haag, im Juli 1982
Es bleibt lange im Kopf, wahrscheinlich für ewig, wenn man solch eine historische Grösse wie Benny Goodman hören und sehen darf. Dieser Benny Goodman ist ein ganz formidabler Klarinettist. Ein Weltstar, der den Swing in die Wohnzimmer der Welt gebracht und den Jazz hoffähig gemacht hat. Insofern verkörpert Goodman das Gutbürgerliche im Jazz, das Sittsame, wohl auch das weiß-weichgespülte einer eigentlich schwarzen Musik.
Dieser ältere Herr im cremefarbenen Sakko, der da auf der Bühne steht und ein flottes Airmail Special seiner Klarinette entlockt, jener opahafte, gemütliche Herr mit der schwarzen Hornbrille kann aber auch ganz anders.
Und dieses Rebellentum des Großbürgers hat mir an Benny Goodman imponiert. Denn Benny ist einer der ersten weißen Starmusiker, die gegen die Rassentrennung in den USA aufmucken.
Anfang der 30er Jahre noch sind Weiß und Schwarz streng getrennt. In Hotels, in Restaurants, im Bus - und eben auch auf dem Podium. Benny Goodman ist der erste große Musiker, der sich einen Dreck um diese Apartheit schert. Er nimmt schwarze Musiker wie den Pianisten Teddy Wilson, die Trompeter Charlie Shavers und Cootie Williams oder den Posaunisten Trummy Young in seine Band und tritt dann auch auf.
Die Schikanen durch weiße Rassisten lassen nicht lange auf sich warten. Als ein Veranstalter seinen Vibraphonisten Lionel Hampton nicht wie die weißen Bandmitglieder im Haupthaus einquartieren will, schlägt Benny gehörig Krach. Er droht einfach, den Auftritt platzen zu lassen. Lionel bekommt, wie alle Musiker, ein anständiges Zimmer.
Benny Goodmans legendäres Carnegie Hall Konzert in New York im Januar 1938 ist insofern ein zweifacher Durchbruch. Der Jazz, bis dato eine anrüchige und suspekte Spelunkenkultur, kommt musikalisch in der bürgerlichen Mitte Amerikas an. Aber für etwas noch Schöneres hat dieser Benny Goodman gleichzeitig gesorgt: Ein weißer und ein schwarzer Musiker können zusammen auf der Bühne stehen und spielen.