Hemingways Caorle

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In den Reisebüros hängen große blaue Plakate und liegen Broschüren, die eine dreistündige Schiffstour in die nahen Fischfanggebiete annoncieren.

Il mondo che fu di Ernest Hemingway lautet die Überschrift. Die Welt, die von Ernest Hemingway war, steht in etwas ungelenkem Deutsch auf dem Prospekt des Städtchen Caorle.

Caorle, 60 Kilometer östlich von Venedig, ist ein ehemaliges Fischerdorf, das Exkursionen in die umliegenden Lagunen auf den Spuren Hemingways anbietet. Ein billiger Werbetrick mit einer Person, die sich nicht mehr wehren kann, weil sie schon seit fast 50 Jahren tot ist?

Nein, die Sache liegt hier anders. Hemingway kannte Caorle, und er mochte den Ort und seine Menschen. They came from a little place up the coast called Caorle. Der Amerikaner geriet ins Schwärmen, als er diese Landschaft sah, er war betört von ihrer Vegetation, von ihrem Duft, von den Pinien. Diese Gegend hier bedeutete ihm sehr viel, mehr als er je irgendwem sagen würde und konnte.

Die Leidenschaft, die Ernest Hemingway für diese einfache Heimstätte der venetianischen Fischer empfand, ist nachzulesen in Über den Fluss und in die Wälder. Als Rahmenhandlung hat er 1950 in diesem Werk die Poesie und die Kraft dieser Natur eingefangen und er lässt dort sein alter ego auf Entenjagd gehen.

Und dieses Stück Erde ist noch heute in der Gewalt der Tierwelt. Wildenten, Reiher, Blesshühner und Kraniche leben hier inmitten der grünen Vegetation, die so typisch für die adriatische Küste vor Venedig ist.

Es geht mit den kleinen, zweistöckigen Motorschiffen Arcobaleno und Fenice hinaus in die Laguna, in eine Oase der Natur, wo die Zeit langsam und geräuschlos verläuft und der Lebensrhythmus der Fischer der gleiche wie zu Zeiten Hemingways geblieben ist. Es erwartet den Teilnehmer ein Aufenthalt in typischen kleinen Fischerhütten aus Stroh, wo ein Imbiss aus Fisch und Polenta gereicht wird.

1918, im Ersten Weltkrieg, war Hemingway als Sanitätsfreiwilliger an der italienischen Front hier bei Fossalta di Piave schwer verwundet worden. Über den Fluss und in die Wälder liest sich wie eine bittere Abrechnung mit dem Krieg - und wohl mit dem Leben überhaupt. Eine ganze Weile lang dachte er an all die schönen Plätze, wo er gern begraben sein würde, und er überlegte, von welchem Stück Erde er gern ein Teil geworden wäre.



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