Googles Netz
Wir Zeitschriftenverleger tun uns mit dem Internet schwer. Warum bloß?
Vielleicht ist es so, dass wir Online noch zu sehr von Print herdenken, dass wir zu sehr gefangen sind in unserem alten Geschäftsmodell. Dabei braucht man nur zu den digital Erfolgreichen schauen. Schauen und abschauen.
Google ist die Firma, die das Netz am besten kapiert hat. Google arbeitet als der avantgardistische Tüftler des Mediums “Online”. Manche meinen gar, eigentlich sei das Internet Google. Und Google sei das Internet.
Viele Verlage haben das Netz nicht verstanden. Sie agieren nach der alten Methode: auf eine starke Printmarke setzen, Inhalte besitzen, verschließen, schützen und sich abschotten. Und dann um Werbeerlöse kämpfen.
Das ist das alte Modell. Das ist das Modell Yahoo. Yahoo war das letzte erfolgreiche Unternehmen, das auf geschützte Inhalte gesetzt hat. Das ganze lief unter Web 1.0. Historie. Gestern.
Die beiden Jungs von Google haben den Paradigmenwechsel verstanden und als Geschäftsmodell umgesetzt. Dieser Paradigmenwechsel spielt eine grundlegende Stärke des Web aus, die Vernetzung. Google Search, Google Maps, Google News, die personalisierte Starseite, Google Ads, Google Adsense, Google Booksearch - Google vernetzt das ganze Web.
Im Grunde besitzt Google keine Assets, es hat keine Vermögenswerte. So wie eine Bank eigentlich auch keine Assets ihr eigen nennen kann. Google wirkt lediglich als Netzwerker. Und damit versteht Google das Netz besser als alle anderen.
Durch diese Vernetzung entstehen eigene Mikrokosmen. Inhalte werden durch Vernetzung vertieft und fortgeschrieben. Und Inhalte werden durch vernetzende Links aufgewertet.
Diese Integration durch Vernetzung ist Googles Verdienst. Google macht die Inhalte der guter Websites werthaltiger und sich selbst - es sei den Kaliforniern gegönnt - unentbehrlich.
Google hat mit der Zeit das Medium demokratisiert. Dass beispielsweise Blogs sich so schnell und gut entwickelt haben, ist auch Google zu zuschreiben. In der Stichwort-Suche rangieren Blogs oft weit vor traditionellen Anbietern, weil die Blogger das Google-Prinzip verstanden haben. Die Printverleger leider noch nicht.