Fairness
Was beeinflußt die Entscheidungen von Menschen stärker: wirtschaftlicher Nutzen oder das Gefühl?
Diese Frage beschäftigt Ökonomen schon seit langen und es gibt dazu in der volkswirtschaftlichen Spieltheorie ein Experiment, das in verschiedenen Abwandlungen, aber nach gleichem Grundmuster, an amerikanischen Universitäten seit den 80er Jahren durchgeführt wird. Dieses Experiment kann, wenn Sie zwei Freiwillige finden, leicht nachgespielt werden.
Bei diesem so genannten ultimatum game, dem Ultimatumspiel, bekommt der erste der zwei Mitspieler 10 Euro. Er darf nun entscheiden, wieviel er von diesen 10 Euro dem zweiten Mitspieler abgibt.
Dieser zweite Mitspieler kann das Angebot annehmen oder ablehnen. Nimmt er das Angebot an, bekommt jeder der beiden Spieler, das Geld wie in der Aufteilung vorgeschlagen. Bei Ablehnung des Angebots kriegt keiner der beiden etwas.
Ökonomisch gesehen ist die Sachlage einfach. Für Mitspieler 2 müsste eigentlich jedes Angebot über 0 attraktiv sein, denn er verbessert sich auf jeden Fall. Wenn Mitspieler 1 die Teilung 9 zu 1 vorschlägt, dann besitzt Spieler 2 immer noch 1 Euro mehr als vorher.
Doch all die Ultimatum-Ergebnisse an den Universitäten zeigen, dass die meisten Mitspieler ein ungleichgewichtiges Angebot ablehnen und dann lieber leer ausgehen.
Eine Teilungsquote unter 30 Prozent wird stets abgelehnt. Nur eine Teilung, die annähernd dem Gleichheitsgrundsatz entspricht, hat eine Chance auf sofortige Annahme.
Daraus folgt, dass der homo oeconomicus nicht das Mass aller Dinge ist. Gerechtigkeit ist dem Menschen wichtig, der Drang nach Fairness ist so stark, dass man sogar gegen den eigenen Nutzen handelt.
Das bittere Gefühl über’s Ohr gehauen zu werden, beeinflußt eine Entscheidung stärker als ein materieller Vorteil. Ein gutes Gefühl kann dem Menschen manchmal wichtiger sein, als eine gefüllte Tasche.