F. A. von Hayek
Friedrich August von Hayek ist der scharfsinnigste Nationalökonom von allen. Der geistreichste Volkswirt der Moderne. Der Vordenker. Unser Professor. Nobelpreis. Gottvater.
Der Österreicher von Hayek gefiel sich als Liberaler, als ein schroffer Marktradikaler, als Dogmatiker reinsten Wassers. Dem Begriff Soziale Marktwirtschaft beispielsweise stand er zeitlebens kritisch gegenüber. Sozial, das sei doch so ein Wieselwort, meinte er, ein Begriff, der alles und nichts aussage. Was sozial eigentlich heißt, weiß niemand. Wahr ist nur, daß eine soziale Marktwirtschaft keine Marktwirtschaft, ein sozialer Rechtsstaat kein Rechtsstaat, ein soziales Gewissen kein Gewissen, soziale Gerechtigkeit keine Gerechtigkeit – und ich fürchte auch, soziale Demokratie keine Demokratie ist.
Soziale Gleichheit empfand von Hayek als elitärer Luxus der Industriegesellschaft. Gleichheit sei eigentlich gar nicht möglich, denn sie ginge mit dem Raub der Reichen einher und würde letzten Endes auch die Armen schädigen. Und, wichtig für ihn: Gleichheit ginge immer auf Kosten der Freiheit.
Ich bekam Kontakt zu von Hayek über zwei Ecken. So um 1988. Er war emeritiert und wohnte mit seiner Frau in Freiburg im Breisgau. Dort kannte ich den Literaturagenten Friedrich Wilhelm König. Ich bat König, doch einmal bei von Hayek vorbei zu schauen und nach einem Buchprojekt anzufragen.
König schilderte mir nach seiner Visite Erschreckendes. Friedrich August von Hayek lebe in einer ältlichen Wohnung in wohl bescheidenen Verhältnissen, das Führen des Haushaltes bereite den gebrechlichen Leuten Probleme, die Frau scheuche ihn herum.
Es habe ihm wehgetan, einen solchen Geistestitan in einem solch jämmerlichen Zustand zu erleben. Wahrscheinlich könne von Hayek Hilfe gut brauchen.
Ich informierte Leute mit Geld, die den Ideen von Hayeks nahe stehen, und es wurde diskret geholfen.
1992 ist von Hayek dann in Freiburg gestorben. Begraben in Wien. Wie auch Karl Popper. Dem Bruder im Geiste.