Fotokiste: Roland Berger

Köln, den 13. Juni 1990
Als es vor wenigen Wochen um die Rettung des maroden Autobauers Opel ging, da wurde in Berlin wieder sein Name aus dem Hut gezaubert. Roland Berger. Er solle die Suche nach einem geeigneten Investor vorantreiben und koordinieren. Roland Berger sagte zu. Ehrenamtlich, ohne einen Cent dafür zu nehmen, als Unterhändler, der die beste Lösung sucht.
Keine schlechte Wahl. Denn Roland Berger ist der Netzwerker Deutschlands. Keiner kennt die Wirtschaft dieses Landes so wie er, und er kennt alle Akteure der Großfirmen bis hinein in den Mittelstand. Kennt jeden, weiß alles. Dieser Ruf geht ihm voraus.
Er fand bei allen Kanzlern der letzten Jahre ein offenes Ohr. Kohl, Schröder, Merkel - über die Parteigrenzen hinweg suchten sie den Rat des Münchener Beraters. Wenn es heikel wurde oder wenn der Blick strategisch in die Zukunft gerichtet war, dann ersann man sich seiner Hilfe.
Sein erstes Geld, damals noch als Student der Betriebswirtschaftslehre, hat Berger mit dem Aufbau eines Waschsalons verdient. Später hat er diesen dann für gutes Geld verkauft. Er kann also “Unternehmer”, nicht nur Berater.
Der gebürtige Berliner hat dann in jungen Jahren seine gleichnamige Unternehmensberatung in München gegründet. Der Diplom-Kaufmann fokussierte sein Consulting auf M & A sowie auf die Strategieberatung.
Im persönlichen Umgang ist Roland Berger, Jahrgang 1937, aufmerksam, auf gesunde Art und Weise neugierig und - soweit man dies in seiner Position sein kann - erfrischend uneitel. Er engagiert sich als Citoyen in seiner Roland Berger Stiftung, die sozial benachteiligten Jugendlichen hilft. Er habe viel erhalten von der Gesellschaft und wolle nun etwas zurückgeben.
Als der junge Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor wenigen Tagen Roland Berger zum Opel-Unterhändler ausrief, da erhoben sich im politischen Berlin direkt ein paar meckernde Stimmen. Berger habe dies, er sei doch jenes. Dabei verkennen diese Kleingeister jedoch eines: Einen Besseren wird man in Deutschland nicht finden.