Milton Friedman und Pinochet

milton.jpgWeil sie an der University of Chicago bei Milton Friedman und Arnold Harberger studiert hatten, nannte man sie die Chicago Boys.

Als diese jungen Volkswirte ab 1974 die chilenische Wirtschaft umkrempelten, war dies für viele westliche Intellektuelle ein Sündenfall.

Denn das ökonomische Treiben der Minister Hernán Buechi und Rolf Lüders fand mit dem Segen des Diktators Augusto Pinochet Ugarte statt.

General Pinochet war, da gibt es kein Vertun, einer der blutrünstigsten und widerwärtigsten Diktatoren in der Geschichte Südamerikas. Da herrscht kein Dissens.

Oft wird nun argumentiert, Neoliberalismus werde durch autoritäre Strukturen begünstigt. Jemand, der so redet, das ist keiner, der - wie man so schön sagt - aus tiefen Tellern speist. Margaret Thatcher brauchte in Großbritannien ja auch keine Diktatur.

In der Causa Chile wird verkannt, dass der Erfolg der Chicago Boys in Santiago wenig damit zu tun hatte, dass sie unter einem Diktator wirkten.

Die Erfolgsfaktoren waren andere: Die Chicago Boys fanden eine total am Boden liegende Nationalökonomie vor. Horrende, dreistellige Inflationsraten, Kapitalflucht, Monostruktur. Der marxistische Präsident Salvador Allende hatte die Wirtschaft in den Jahren zuvor ins Chaos gestürzt und knapp an den Ruin geführt.

Darüber hinaus konnte erstmals - der Trupp der Chicago Boys in Santiago bestand aus etwa 25 Volkswirten - eine stimmige und kohärente Wirtschaftspolitik in die Praxis umgesetzt werden. Jahrzehntelang waren Etatismus und Klientelismus in Chile zu beobachten gewesen, die neue Politik drängte auf eine schockartige Deregulierung.

Die Rezepte waren einfach: Privatisierungen, Steuersenkungen und Abbau von Einfuhrzöllen. Erfolge stellten sich rasch ein. Neben robustem Wachstum konnte man vor allem die unselige Abhängigkeit von der Kupferproduktion zurückdrängen. Es entstanden neue auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähige Industrien wie Weinbau, Fischereiwesen und ein florierender Dienstleistungssektor.

Milton Friedman selbst, der Vater des Monetarismus, ist 1975 mit Augusto Pinochet zusammengetroffen. Der Professor fand den Diktator und die Diktatur widerlich, dieses Regime sei terrible gewesen, meinte er später einmal.

siehe auch: Fotokiste Milton Friedman

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