Fotokiste: Die Perle im Dschungel

Wenn man einige Jahre auf dem Buckel, ein paar Kontinente und noch mehr Länder gesehen hat, dann mag man in einer stillen Stunde und bei einem guten trockenen Rotwein schon einmal seine Hitliste der Destinationen erstellen. Welches denn die interessanteste Stadt ist, in die ein Flugzeug unser einen fliegen kann? Was ist wohl das Topziel für Traveller auf diesem ganzen runden Globus?
Und dann mag man am Barolo nippen und seine Liste durchgehen, wer da auf vorderen Plätzen zu finden sein muss: CDG, sicherlich, weil in Paris noch immer die Liebe wohnt. NYC, wo das Leben pulsiert, man aber tunlichst reich sein sollte. In GOI braucht man nicht unbedingt reich sein, der Goa-Besucher sollte jedoch zumindest jung sein. Und bei SFO wiederum sollte man am besten beides sein, jung und reich.
Meine Nummer Eins ist allerdings eine ganz andere Stadt. Ein Ziel, das so viele noch nicht angesteuert haben, und das manchen gänzlich unbekannt ist: IQT. Mitten im Amazonaswald.
Bei Iquitos muss man zuallererst einen Blick auf die Landkarte werfen, um zu erkennen, dass Natur und Menschheit sich hier eine unglaubliche Albernheit erlaubt haben. Die Stadt ist eingefangen und eingesperrt inmitten des Amazonasgestrüpps.
Iquitos lässt sich bequem eigentlich nur auf dem Luftweg erreichen, jedenfalls gibt es keine Straße, die zu dieser Stadt führt. Außer Luft bietet sich nur das Wasser an: ein tagelanger Umweg über Pucallpa am Rio Ucayali, der dann in den Amazonas mündet, bleibt die einzige Alternative zum Flugzeug..
Aus dem Flieger erkennt man rasch die Faszination, die von dieser Stadt ausgeht: Hunderte Quadratkilometer sieht man nur diesen gleichmäßigen grünen Vegetationsteppich. Dann taucht urplötzlich ein wildes Knäuel von Häusern, zerzausten Straßen und Plätzen auf. Und dann wieder dieser unendliche grüne Teppich, der nirgends aufzuhören scheint.
Wenn man dann aus dem Flieger steigt, kommt es einem zunächst vor, als ob man gegen eine Wand läuft. Die Hitze und Schwüle des Regenwaldes, diese Urkraft der Natur, diese Bemächtigung über jedes Leibliche, zeigt sich als erste Warnung von Natur an Mensch.
Und dann sollte man sich der Verführung dieses Fleckchens hingeben. Denn keine andere Stadt auf Erden schmeckt wie diese. Wie diese rätselhafte Schneise im Dschungel Amazoniens, wie dieses den Urwäldern voller Entbehrung und Hoffnung abgerungene Fleckchen Zivilisation.
Kein anderer Landstrich versprüht einen solch betörenden Liebesduft wie diese wahnwitzige 400.000-Seelen-Gemeinde, nirgendwo spürt man das Körperliche und die Naturkraft stärker als an diesem Ort. Einsam und tapfer gedeiht Iquitos wie eine Rose in der Wüste, springt einen munter und quietschvergnügt an wie ein Champagnertropfen in einer Bierlache.
siehe auch: Fotokiste Delfter Kacheln in den Tropen
siehe auch: El ultimo turista