Fotokiste: Johann Philipp von Bethmann

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Frankfurt am Main, den 13. März 1991

Am Ende stand ein netter Brief. Es war der Dank des Autors an seinen Lektor. Der Tenor des Schreibens in etwa: Ich danke für die viele Arbeit, die Sie in mein Buch gesteckt haben. Na ja, das mit der “vielen Arbeit” war nicht einmal die halbe Wahrheit.

Die ganze Wahrheit war, ich hatte das Buch fast vollständig alleine geschrieben. Und das kam so.

Johann Philipp von Bethmann war einer der bekanntesten Privatbanker Deutschlands. Seine Frankfurter Bank, die er schon vor Jahren in andere Hände gegeben hatte, kümmerte sich dezent um die bestbetuchten Anleger in diesem Land.

Bethmann selbst, ein soignierter Herr im besten Alter, war im Grunde ein kauziger Mensch. Also der Typus Mensch, den ich eigentlich mag. Er war so eine sympathische Mischung aus Crash-Prophet, Miesepeter und Querdenker.

Er hatte eine etwas verschwurbelte volkswirtschaftliche Theorie, die er jeden Montag im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung durch streichholzschachtel-große Anzeigen zum besten gab. Nur fallende Zinsen stoppen die Inflation. Sonst nichts.

Wenn draußen die Sonne schien, meinte er, man solle sich warm anziehen, weil auf Sonne Regen käme. Wenn der Schnee fiel, hielt er es für angeraten, kurze Ärmel zu tragen, denn ein jeder erwartet, dass das Wetter besser wird. So in etwa ging seine Theorie zur Geldpolitik.

Das ganze mutete ziemlich wirr an, war abstrus, verdreht und ein bißchen spleenig. Ich aber dachte, ein Buch aus der Feder dieses Querdenkers sei ein bunter Farbtupfer in ECONs Buchprogramm.

Ich besuchte von Bethmann in seiner pompösen Bank, wir einigten uns rasch, persönlich gegenseitig nicht unsympathisch, das Buchprojekt lief an. Das Oeuvre sollte im März 1991 erscheinen.

Als ich Monate später das Manuskript in Händen hielt, wurde mir beim ersten Lesen heiß und kalt zugleich. Keine Seite war druckbar. Die Sätze schief, die Kapitel chaotisch, die Gedankenführung eh.

Ich sagte das von Bethmann, der selbst schon von Selbstzweifel geplagt, nun hinwerfen wollte. Doch das Buch war bereits angekündigt und im Handel vorbestellt. Es gab kein zurück.

Geben Sie mir ein Wochenende, bat ich den Banker, zog mich mit reichlich Material in den Westerwald zurück und schickte ihm am Montag ein neues Manuskript. Ich hatte Bethmanns Buch - von der ersten bis zur letzten Seite - selbst geschrieben. Das Kartenhaus unseres Wohlstandes.

Später rief er mich an und meinte, er hätte es nicht besser schreiben können. Aha. Das Buch wurde ein Flop.

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