Fotokiste: Tom Peters
Frankfurt/Main, den 2. Oktober 1992
Von den jüngeren amerikanischen Management-Beratern und Wirtschafts-Autoren ist dieser Mann der Beste. Und wohl auch der coolste.
Ich mag Tom Peters als Autor, als Vortragsredner und auch als Mensch. Denn er ist ein bunter Hund, ein richtig bunter Hund.
Tom wurde mit einem Buch über Nacht berühmt. In Search of Excellence, das erste Management-Buch, das über eine Million Mal verkauft wurde, zu Deutsch, Auf der Suche nach Spitzenleistungen.
Thomas J. Peters, wie er sich damals noch nannte, hatte das Werk mit seinem McKinsey-Kollegen Robert Waterman 1982 geschrieben. Das Thema des Buches: Was haben erfolgreiche Unternehmen eigentlich gemeinsam?
Die Antwort auf diese interessante Frage lautet: Kundennähe, Handeln statt Palavern, Freiräume für Mitarbeiter, Flexibilität im Denken, unternehmerischer Geist und das Vorleben von Werten. All das überrascht nicht, man hat es geahnt und man kann dies auch woanders nachlesen. Aber es schadet auch nicht, diese Erfolgsprinzipien nochmals aufgezeigt zu bekommen.
Im Laufe der Jahre wurde aus Thomas dann Tom und seine Bücher und Vorträge wurden frecher, lauter und radikaler. Er brachte zunehmend einen wilden Ton in die Führungsetagen. Liberation Management war ein 1.000-Seiten-Werk aus dem Jahr 1992 und Tom brüllte in die Management-Welt hinein: Nieder mit den Hierarchien! Desorganisiert Euch! Schmeißt den Computer weg! Nehmt das Unternehmen auseinander! Liebt die Unordnung!
Spitze! Wahnsinn! Wow! lautet die Überschrift des 43. Kapitels. Hier kommt der neue Tom. Bumm, Krach, Päng! Alles wackelt, alles wird schnell. Das Business dreht durch, das alte Wissen gilt nicht mehr. Tom Peters stellt den Status unerbittlich in Frage und fordert Zerstörung, Wandel und Erneuerung.
Übrigens, der Mann kann nicht nur beraten, der kann auch selber. Erfolgreiche Beratungsfirma, tolle Website. Auch persönlich ein außergewöhnlicher Typ. Firma und Büro damals in Palo Alto, im Herzen des Silicon Valley, heute in Boston. Privat lebt er mit seiner Frau und zwei Kindern auf einer Farm in Vermont.
Heute packt Tom die Wirtschaft unerbittlich am emotionalen Zopf. Wenn man ihn liest, dann merkt man, da schreibt ein Verrückter, ein Besessener, einer, der die Ekstase liebt, ein Schwärmer und Romantiker. Da artikuliert sich im Grunde ein Chaotiker und Traumtänzer, also ein durch und durch faszinierender Zeitgenosse. Spitze! Wahnsinn! Wow!