Wer ist der Mercedes unter den Parteien?

Stellen wir uns für einen launigen Moment vor, die Parteien seien jeweils eine Automarke.

Dann wäre die SPD wohl ein Opel. Mit einer glorreichen Vergangenheit, ein Mythos, aber irgendwie altbacken und aus der Zeit gefallen. Da wird ein Milieu beschworen, das es in der modernen Welt gar nicht mehr gibt.

Es ist die Ära der Wackeldackel und der Pepitahütchen, apart und nett, jedenfalls vor fünfzig Jahren. Und mit jeder Verschlechterung der Zahlen, klopft man die alten Sprüche und haut sich gegenseitig auf die Schulter und redet sich ein, wie gut man doch sei. In Wirklichkeit ist man jedoch schlecht.

Die Union wäre sicherlich ein VW. Ein ganz solider Volkswagen. Zuverlässig, wenig Spritverbrauch, nicht groß auffallend, über die Jahrzehnte berechenbar. Allerdings auch nicht sehr aufregend, ohne jeglichen Sex-Appeal. Aber dies juckt einen VW-Fahrer nicht groß.

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, würde der VW-Fahrer kontern, eigentlich kann man da nicht viel verkehrt machen. Und irgendwie kann man nicht widersprechen.

Die FDP mag ein BMW sein. Modern, schnittig, vielleicht ein Spur zu schnell und ein Hauch zu stylish. Etwas für die besseren Kreise, deshalb manchmal frech und arrogant. Und ein wenig zu technisch und zu kühl. Aber Eindruck schinden kann man schon.

Aber welche Partei ist dann ein Mercedes? Welche der Porsche? Ich vermisse diese klassischen Qualitätswagen. Statt dessen sehe ich nur den verträumten Deux Chevaux, diese 2CV-Ente aus Studententagen, dann ein wenig Fiat, den Skoda.

Und neuerdings auch wieder den knatterigen Wartburg, den man uns als properes Gefährt verkaufen will. Vielleicht sollte man da einmal einen kritischen Blick unter die Motorhaube werfen.

Wir sehen Deutschlands Autolandschaft und staunen. Bis zum 27. September dürfen wir uns ein Automobil aussuchen. Na dann, frohe Fahrt!

2 Responses to “Wer ist der Mercedes unter den Parteien?”

  1. France Says:

    Tja… Die französische Autolandschaft hat auch nur eine begrenzte Schnittmenge mit den politischen Parteien. Sarkozys UMP war mal ein Massenhersteller, der aber jetzt unter erheblichen Absatzschwierigkeiten leidet. Da hilft auch die Abwrackprämie nicht weiter. Der Parti Socialiste wehrt sich gegen den Einzug ins Automobilmuseum und hofft auf den Einstieg eines grünen Zulieferers. Allerdings prophezeit Cohn-Bendit bereits das Ende der Automobilindustrie. Vielleicht droht den Parteinen ein ähnliches Schicksal…Ohne Profil, verlieren sie die Bodenhaftung und rauschen in den Abgrund der Bedeutungslosigkeit. Die Wahlbeteiligung am 27.9 wird es in Deutschland zeigen.
    Doch welches Auto passt zu Frankreichs Politikern? Ich sehe es so:
    Sarko = ein Mini Cooper: klein, quirlig, mehr Schein als Sein
    Segolène Royal = das Papamobil: nur dieses Auto wird ihrem Ego gerecht
    Cohn-Bendit = Toyota Prius, ein Hybridauto, aussen grün, innen rot :-)
    Und der Trotskist Besancenot? Er ist Postbote und fährt sowieso nur Fahrrad.

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