Teddy Stauffer und die Mäuse
In seinen letzten Jahren ist ihm, der noch das kleine Fischerdorf von 8.000 Bewohnern kannte, Acapulco fremd geworden. Meine wunderschöne Bucht von Acapulco ist verschwunden, meinte Teddy Stauffer melancholisch. Statt dessen erblicke er aus seinem Turm am Berghang die wuchtigen Condominiums und Hotelbauten, die den Blick auf die azurblaue Bucht verstellen.
Das neue Acapulco lief an ihm vorbei. Teddy Stauffer hatte zwar Acapulcos erste Diskothek, das Tequila a Go-Go, gegründet, er hatte große und moderne Hotels geleitet. Und 1982 hatte er es noch einmal versucht und mit einem Partner unten am Meer Teddy’s Bar eröffnet, eine wunderschöne weitläufige Bar mit direktem Zugang zum Strand.
Aber auch dieses Projekt schien irgendwie aus der Zeit gefallen. Ein Jahr später stand auf diesem Filettgrund an der Costera El Patio, ein riesiges Shopping Center mit über 30 Boutiquen, mit den Guccis dieser Welt, einem McDonald’s und sonstigen schnellschnell Restaurants. Nein, nein, das war alles nicht mehr seine Welt.
Eigentlich kann so ein Hallodri, der die Frauen und das süße Leben liebte, ja nur ein schlechter Geschäftsmann sein. Teddy mochte die Frauen, die Jazzmusik, aber mit Zahlen und oder gar mit der Betriebswirtschaft hatte nichts am Hut. Wie so oft: netter Kerl, lausiger Kaufmann.
Seine Stärken lagen woanders. Er konnte gut mit Menschen, ein Netzwerker, würde man heute sagen. Zahlen sagten ihm nichts. Die Hotel, die er führte, gehörten ihm nicht. Meist war er bloß Manager. PR Manager im Hyatt Regency beispielsweise. Oft lieh er seinen guten Namen an Kompagnons und, wer weiß, vielleicht hat man ihn auch übers Ohr gehauen.
Der Mann besaß keine Krämerseele, er war ein Träumer. Vielleicht gar ein Traumtänzer, ein Romantiker, jemand der Geige spielen konnte, das Saxophon, jemand, der wusste, wer Jimmie Lunceford ist, und wie man Rita Hayworth rumkriegt. Als ob das nicht schon reichen würde.
Er sei verarmt gestorben, sagen manche. Aber solch eine törichte Anmerkung zeugt von einem falschen Blick auf diesen Mann. Vielleicht besaß er zum Schluss kein Geld, aber arm war er nicht. Er war reich. Unendlich reich.
siehe auch: Teddy Stauffer in Acapulco
siehe auch: Teddy Stauffer, der letzte Playboy
siehe auch: Teddy Stauffer und El Mocho