Vogelschiss für Gruners

businesspunk.jpgDeutschlands Zeitschriften-Riese Gruner + Jahr überrascht Fachwelt und Publikum gleich mit drei neuen Magazinen. Dieses Trio hat es in sich, denn das Konzept aller drei Neuerscheinungen kommt einer Revolution gleich.

Dabei meine ich nicht den Inhalt - der mag gefallen oder auch nicht (so finde ich das Heft Business Punk rotzfrech und richtig großkotzig, also rundum gelungen!).

Revolutionär scheint mir vielmehr der strategische Richtungswechsel, der mit dieser Einführung einher geht. Nehmen wir mal als Beispiel dieses wilde und arrogante Wirtschaftsmagazin Business Punk.

An dieser Stelle soll nicht darüber räsoniert werden, ob Deutschland auf den Business Punk gewartet hat oder ob sich die Welt auch ohne ihn weiterdreht. Nein, am Business Punk soll aufgezeigt werden, wie grundlegend sich das Denken bei dem Hamburger Großverlag verändert hat.

Schauen wir einmal auf die nackten Zahlen: Die Druckauflage von Business Punk beträgt, wie man hört, 100.000 Exemplare. Bei normaler Remissionsquote müsste man im Handel davon nun etwa 50.000 Exemplare absetzen. Alles unter 40.000 wäre ein Flop, bei über 60.000 Verkäufen würden die Champagnerkorken am Hamburger Baumwall knallen.

Der Verkaufspreis für Business Punk liegt bei 6 Euro, von denen beim Verlag - abzüglich Mehrwertsteuer, Händlerrabatt und Distributionskosten - etwa 2,80 Euro ankommen dürften.

So, dann rechnen wir mal den Erfolgsfall durch: 2,80 € mal 60.000 Exemplare. Macht 168.000 € Umsatz. Abo- und Anzeigenerlöse kann man vernachlässigen. Also, seien wir großzügig, knappe 200.000 Euro Erlös pro Heft. Für ein Milliarden-Haus wie Gruner + Jahr ist dies, mit Verlaub, ein Vogelschiss.

In den goldenen Zeiten hätte man unter 300.000 Verkaufsprognose keine Neueinführung angepackt. Hamburger Strategie war immer, auf Dickschiffe wie stern, GEO, Eltern und Gala zu setzen. Mit kleinem Verkaufspreis und dickem Anzeigenkonto.

Aber weil die Dickschiffe mit schwerer See kämpfen, wird mit Business Punk, GalaMen und Beef! der Paradigmenwechsel eingeleitet. Ein Konzern verlegt Nischentitel. Mit schlanker Redaktion, spitzer Zielgruppe und hohem Copypreis. In diesem Umdenken liegt die eigentliche Revolution: Ein Großverlag kopiert das Erfolgsrezept eines Kleinverlages.

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