heiliger Sonntag!

Die vier verkaufsoffenen Dezember-Sonntage in Berlin sind verfassungswidrig. Sie verstoßen gegen den Sonntagsschutz im Grundgesetz, so urteilte heute das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Damit geben die Richter einer Klage der Kirchen statt.

Also, der Laden bleibt am Sonntag zu. Weil das Kirchenhaus am Sonntag aufbleibt.

Dieses Posting schreibe ich an einem Dienstag - zwischen 22 und 23 Uhr in der Nacht. Da arbeitet kein vernünftiger Mensch mehr. Nur - ein paar Unvernünftige sollte es in jedem Land geben. Ich darf arbeiten, ein Einzelhändler aber nicht. Er muss seinen Laden um diese Zeit dicht halten. Nirgendwo auf der Welt wird der Handel so reglementiert und kon­trolliert wie in Deutschland.

Mir hat sich auch nie der Sinn der sonntäglichen Möbel­schau oder einer abendlichen Modenschau erschlossen: Wer hier nicht verkauft, der verschenkt doch den idealen Zeitpunkt für ein lukra­tives Geschäft.

Gerade für den Mittel­stand und die Kleinbetriebe wäre der Fortfall der starren Ladenschlusszeiten eine Chance: Denn die Chance der Kleinen liegt nie in der Reglementierung, son­dern immer in der Flexibilität.

Als in Schweden vor Jahren der Ladenschluss abgeschafft wurde, änderte sich nicht viel. Die meisten hielten auch weiterhin am Sonntag und am späten Abend geschlossen. Doch 20 Prozent entschieden sich, auch außerhalb der Kernzeiten aktiv zu werden und fanden so für sich eine unternehmerische Lücke.

Hier kommen wir zum wirklich entscheidenden Punkt: Diese 20 Prozent wirken als Hefe im ökonomischen Sauerteig. Diese 20 Prozent testen neue Angebotsformen, suchen und finden Marktlücken, experimentie­ren mit neuen Verkaufskonzepten und erschließen neue Kundenkreise.

In Deutschland statt dessen das krampfhafte Festhalten an der Sonntagsruhe, die dem kulturellen Bild der Gesellschaft aus der Adenauer-Zeit entspringt. Doch wir schreiben bald das Jahr 2010. Dieser Schutz der eingeschränkten Ladenöffnung ist ökonomisch nichts an­deres als die schnöde Absage an dynamisches und innovatives Unter­nehmertum.

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