pikante Kreuzung
Die Studentenbewegung von 1968 und die Zeitungen des Axel-Springer-Verlages waren sich in jenen turbulenten Tagen des Protestes sicherlich nicht in Sympathie oder Zuneigung zugetan.
Auf Studentenseite mit ihrer Leitfigur Rudi Dutschke lautete die Parole Enteignet Springer! und auf Seiten des konservativen Verlagshauses schlug so manche Schlagzeile kräftig gegen die aufmüpfigen jungen Leute.
Ein wenig pikant scheint, dass sich seit einiger Zeit die Zentrale des Axel-Springer-Verlages in Berlin nun an der Rudi-Dutschke-Strasse befindet.
Denn seit im April 2008 ein Teil der Kreuzberger Kochstrasse in Rudi-Dutschke-Strasse umbenannt wurde, läuft eben diese Rudi-Dutschke-Strasse direkt an dem Hochhaus vorbei, in dem BILD und andere Springer-Zeitungen ihre Redaktionsbüros haben.
Doch bleibt der Haupteingang des Springer-Verlages in der Axel-Springer-Strasse, so dass zumindest die Postadresse gewahrt bleibt. Der Treppenwitz der Geschichte jedoch will, dass sich nun Springer-Strasse und Dutschke-Strasse am Verlagsgebäude kreuzen.
Auch wenn dies einer gewissen Brisanz nicht entbehrt, so sind seit den unruhigen ‘68er Jahren doch über drei Jahrzehnte vergangen. Die damals systemkritischen Studenten haben bemerkenswerte Karrieren hingelegt und stehen heute kurz vor ihrem solventen Pensionärs-Dasein. Und auch die Springer-Zeitungen haben sich im Laufe der Jahre in beeindruckender Weise gewandelt.
Die Welt ist eine richtig gute und lesbare Tageszeitung geworden, die den gehobenen Diskurs pflegt. Und BILD hat sich über die Jahre schlau als das Sprachrohr des kleinen Mannes positioniert.
Die Jahre verändern uns. Tempus vincit omnia. Die Zeit besiegt alles.
siehe auch: Fotokiste Rudi Dutschke