Fotokiste: Gertrud Höhler

Prof. Dr. Gertrud Höhler Bestseller-Autorin Autorin Sachbuch hohlerblog.jpgMünchen, den 23. Oktober 1992

In den 80er Jahre war Professor Dr. Gertrud Höhler eine gefeierte Autorin zu gesellschaftlichen Themen. Als Alfred Herrhausen sie dann als Kommunikationsberaterin zur Deutschen Bank holte, eröffnete sich eine Option.

Hero Kind, der Geschäftsführer des ECON Verlages, ermunterte sie, nun auch zu Wirtschaftsthemen zu schreiben. Anfänglich zögerte Gertrud Höhler, sich auf das neue Terrain zu bewegen. Aber dann legten wir los. Ich wurde ihr neuer Lektor.

Die Option wurde zum Riesenerfolg. Vorher und wohl auch nachher hat keine Frau in Deutschland so tiefgründig und analysestark über die Beziehungsmechanismen im Management geschrieben wie sie. Und niemand, so möchte man anfügen, hat so viele Bücher zum Thema verkauft wie sie.

Autor und Lektor gelang es über sechs Jahre prächtig, semantisches Ping Pong zu spielen. Der eine schlug den Ball, der andere retournierte ihn, dann wieder hin und zurück. Der Ball, meine ich, blieb meist lange im Spiel.

Und das, obwohl wir so unterschiedlich waren. Sie, eine veritable Professorin der Literatur und der Kunstgeschichte. Ich, ein leidlich akademisierter Bursch mit Hang zum Rheinischen. Sie mit geschliffenen Sätze innerhalb von Sekunden, ich musste stets einen Augenblick überlegen.

Einige schöne Buchtitel haben wir gemeinsam in die Welt gesetzt. Spielregeln für Sieger.  Gertrud Höhler besitzt nicht nur ein feines Gespür für die Melodie eines Satzes, sondern auch für das, was man “Verkaufe” nennt.

Man hat dem Menschen Gertrud Höhler bisweilen übel mitgespielt. Mal wurde versucht, sie politisch in die rechte Ecke zu rücken, dann wurde sie als Person von Studenten in perfider Art und Weise diffamiert oder es wurde die bigotte Nase gerümpft, als die alleinerziehende Mutter Familienministerin werden sollte.

Das alles war falsches Spiel gewisser Kreise, die ein Süppchen kochen wollten. In Wahrheit ist Höhler eine aufgeklärte Liberale, ein offener Mensch und jemand, der zuhört. Sie achtet Meinungen, ja, sie braucht den Austausch, um ihre Argumentation fortzuspinnen.

Eigentlich hätte sie im Kabinett Kohl sitzen müssen und nicht solch intellektuelle Leichtmatrosen wie Wilms oder Ortleb. Aber die politische Ochsentour, das politische Proporzdenken oder zu reden, ohne etwas zu sagen - das war nicht ihr Ding.

Es gab bei Gertrud Höhler auch etwas, das einen erstklassigen Autoren - neben Intellekt und eleganter Feder - auszeichnet: Einsatz für das Buch, viel Fleiß und der Wille zum Erfolg.

Und Gertrud Höhler hatte Erfolg. Nicht nur auf den Bestsellerlisten. Der Diskurs in Deutschland wäre ohne sie ärmer. Eine Frau mit Einfluss. Dazu braucht es dann freilich kein Ministeramt.

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