Fotokiste: Manuel Vázquez Montalbán

manolo-vazquez-montalban.jpgIm Spanien der späten 70er Jahre ging es hoch her. Den General von Gottes Gnaden hatte man gerade glücklich unter die Erde gebracht, Champagner floss, la transición, der Übergang zur Freiheit, wurde besungen, bejubelt. Aufbruchstimmung.

Besonders ein Intellektueller legte sich für die knospende Demokratie mächtig ins Zeug. Einen kleinen, dicken schnauzbärtigen Herrn aus Barcelona, Manuel Vázquez Montalbán, konnte man jeden Tag von Redaktion zu Redaktion eilen sehen.

Bei Triunfo lieferte er eine bissige Satire ab, dem Chefredakteur des El Periódico knallte er eine Fussballkolumne auf den Tisch und in Interviú gab er Avantgardistisches zum Besten.

Manuel Vázquez Montalbán, der Peter Pan des Journalismus, hieß es damals. Ein Geist, ein Phantom. Gab es den Mann überhaupt?

Nun, es gab ihn schon. In der Redaktion von La Calle an der Plaza de Sant Jaume machte uns Andreu Claret Serra 1978 miteinander bekannt. Ich hatte mir den spanischen Raymond Chandler etwas anders vorgestellt. Doch dieser schüchterne und zurückhaltende Katalane mit Schmerbauch war wirklich der Vater von Pepe Carvalho.

Pepe ist Phil Marlowes spanischer Bruder im Geiste. Privatdetektiv, Galicier, Ex-Kommunist, Ex-CIA-Agent, Zyniker, Gourmet. Eine explosive Mischung.

Die Romane rund um Pepe Carvalho sind mehr als bloße Krimis, eigentlich sind sie die Chronik der transición Spaniens, des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie. Die Kriminalromane entlarven die verlogene bürgerliche Scheinwelt der Franco-Jahre, sie beschreiben die Industrialisierung Kataloniens und handeln von den politschen Intrigen innerhalb der spanischen Linken.

Manolo saß während des Franquismus 1962 anderthalb Jahre im Gefängnis. Eine schlimme Zeit. Aber auch gute Monate. Gedichte habe er im Gefängnis verfasst, trotz aller Brutalität und Härte innerhalb dieser Gefängnismauern.

Der Kriminalroman, so Manolo, sei der realistische Roman par excellence. Da gäbe es den Guten, den Schnüffler, den Spitzbuben, die Gewalt, den Tod, das Tabu. Eine wunderbare Erzählform, um die Spannungen, die Hoffnung und auch die Enttäuschungen während der Demokratisierung aufzuzeigen.

Manuel Vázquez Montalbán, 1939 mitten drin in Barcelona, im Barrio Chino, geboren, hat mit Pepe Carvalho eine Figur geschaffen, die Spaniens Gesellschaft mit rasiermesserscharfer Beobachtung analysiert. Ein Sam Spade oder ein Philip Marlowe mögen im Vergleich dazu manchmal wie fromme Suppenmönche aussehen. Alt jedenfalls, ziemlich alt.

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