El ultimo turista

An einem Ort wie diesem, da muss sich ein kleiner Zipfel des Paradieses befunden haben. So dachte ich, als ich das erste Mal nach Iquitos kam.
Und immer wenn ich diese von der Außenwelt abgeschnittene Stadt besuchte, überkam mich das Gefühl dieser Urgewalt der Natur, die in den Tropen in jeder Pore zu spüren ist.
Es scheint angebracht zu sagen, hier wirkt der Mensch so klein, so schutzlos, so unwichtig, hier spürt er aber auch, was Leben und Lebenslust denn so heißen kann. Es mag vielleicht diese Mischung aus Demut und Faszination sein, was diese Stadt im Urwald uns beibringen will.
Iquitos lässt sich nicht ohne diesen breiten, wuchtigen Fluss denken. Ein Fluss der Phantasie, schrieb Jules Verne 1880 über den Amazonas. Und in der Tat zeichnet diese Stadt etwas Unwirkliches aus, dieser Landstrich bewegt sich wie hinter Milchglas, in einer sonnigen Phantasiewelt, sie kommt einem vor wie ein heißer Traum, aus dem man gleich aufzuwachen droht.
Die Abgeschiedenheit war bei meinen ersten Besuchen, noch in den 70ern, deutlich zu spüren, später hat die moderne Kommunikation das entlegene Iquitos näher an das Land und den Moloch Lima heran geführt. Die moderne Welt ist in den letzten dreizig Jahren über Iquitos hergefallen wie die Hunnen über Rom.
In den letzten Jahren hat sich, so berichtet Joaquin García Sánchez, diese Stadt einer tiefgreifenden Transformation unterzogen. Die Wirtschaftsdaten zeigen nach unten, die Stadt verarmt, wirtschaftlich und auch moralisch. El desencanto del Paraíso, die Entzauberung des Paradises, sieht Pater Joaquin, der Chronist Amazoniens.
Erdölförderung, Rauschgiftschmuggel, die Rodungen, die Zerstörung der Indio-Zivilisationen, die Schädigung des Öko-Systems. Kurz: hier herrscht mangelnder Respekt vor der Schöpfung, eine Verachtung von Natur und Mensch. El Paraíso perdido, das Paradies ging verloren.
Und Joaquin García meint keck, ich sei el ultimo turista, der letzte Besucher, der das Paradies noch erleben durfte. El último turista tal vez sea Wolf Stock, un periodista Alemán, quien pasó por Iquitos en 1987. Traía en su mochila la rara misión de hacer un reportaje sobre la arquitectura regional tan despreciada por nosotros.
Der Vortrag von Padre Joaquín am 21. September 2004 steht unter der Überschrift Del nacimiento, vida y muete de una ciudad y un rio. Von der Geburt, dem Leben und dem Tod einer Stadt und eines Flusses.
Wenn ich an diese Stadt denke, dann kommt mir das Poem in den Sinn, das als Lied dieser Stadt gewidmet ist:
Si tienes que marchar,
hazlo sin sollozar,
pues tarde o temprano
buscarás un río
para regresar.
Wenn du zur Reise aufbrichst,
weine nicht,
denn früher oder später
wirst du einen Fluss suchen,
um zurückzukehren.
Deshalb Widerspruch, Joaquin, der letzte Tourist wird noch kommen. Der Traum vom Paradies ist noch lange nicht ausgeträumt.
siehe auch: Fotokiste Joaquin García Sánchez
siehe auch: Fotokiste Die Perle im Dschungel
siehe auch Fotokiste: Monsieur Eiffel im Dschungel