Teddy Stauffer und El Mocho

Hotel Acapulco Mexico Jazz Swing El Camino Real Hyatt Hilton vacation Las Brisas Fairmont acasacra.jpgMeine erste Zeit in Acapulco habe ich im Hotel Sacramento in der Calle Emiliano Carranza gewohnt. Das ist ein schlichtes Hotel nahe des Hauptplatzes Zócalo.

Als ich dann Teddy Stauffer Ende 1982 in seinem Haus in Acapulco besuche, erfahre ich von dem schweizer Musiker folgende hübsche Geschichte:

Im März 1948, Teddy arbeitete als Direktor des Casablanca Hotels, kam ein Individuum ins Beachcomber, in die Hotelbar, kräftig mit Tequila abgefüllt, und fing an zu pöbeln. Die Schnapsnase war der vierschrötige Alfonso Sutter, genannt El Mocho, ein einfacher Fischer aus Acapulco.

Der stämmige El Mocho randalierte wie von Sinnen, er ließ Flaschen und Gläser zu Bruch gehen und stieß wüste Beleidigungen aus. Teddy versuchte ihn zu beruhigen, ohne Erfolg. Schließlich sprach der Hotelmanager ein Hausverbot aus.

Trotz dieses Verbots kam Alfonso Sutter am nächsten Sonntag in die Hotellobby - in Begleitung eines gedungenen Pistolero. In seiner Mannesehre schwer gekränkt, hatte der dicke Sutter ein Kopfgeld auf Teddy ausgesetzt.

Zunächst gab es eine wilde Schlägerei zwischen Alfonso und Hotelchef Teddy, dann schoß der Pistolero fünfmal auf Teddy. Glücklicherweise verfehlten die meisten Kugeln, eine jedoch verwundete ihn am Arm. El Mocho und der Pistolero kamen in Haft.

Alfonso und seine beiden Brüder Carlos und Arturo schworen weiterhin Rache und trachteten Teddy Stauffer nach dem Leben. Doch Teddy war schon damals eine geachtete Person in Acapulco.

Der einflußreiche General Martínez von der Guerrero Militärkommandatur ließ die drei Sutter-Brüder zu sich zitieren. Und im Beisein von Teddy legte der Offizier seinen Arm um den Schweizer und wandte sich an Alfonso, Carlos und Arturo.

Das ist mein Freund, sagte der General. Wer ihm nur ein Härchen krümmt, kriegt es mit mir zu tun. Und General Martínez schaute die drei Brüder eindringlich an. Das wird nicht lustig.

Just ab diesem Zeitpunkt hatte Teddy endlich Ruhe vor den übellaunigen Sutter-Brüdern.

Nach meinem Besuch bei Teddy Stauffer in der Villa Vera fahre ich zurück in mein Hotel Sacramento. Am Eingang grüßt mich Don Arturo, der Besitzer, ein älterer korpulenter Herr mit Halbglatze. Seinen vollen Name erfahre ich später vom Rezeptionisten: Arturo Sutter.

siehe auch: Fotokiste Teddy Stauffer in Acapulco
siehe auch: Teddy Stauffer und das braune Pack
siehe auch: Teddy Stauffer und die Mäuse

2 Responses to “Teddy Stauffer und El Mocho”

  1. Knöpfel Says:

    Sehr geehrter Herr Stock,

    toll, dass Sie sich des schon fast vergessenen Teddy Stauffers angenommen haben und hier die Erinnerung pflegen.

    Ich hatte einen jazzbegeisterten Vater. Der mochte zwar eher den New Orleans Style, hatte aber auch Aufnahmen von Teddy Stauffer. Den fand nun ich umwerfend gut, wegen des typischen Sounds, unglaublich smooth and swinging.

    Um 1970, ich war 18, als ich eines Abends durch Berns Gassen zog. Ein auffällig elegant gekleideter Herr in Kamelhaarmantel mit Begleitung kreuzte meinen Weg. Moment! Ist das nicht Teddy Stauffer? Ich setzte nach und traute mich schließlich, den ihn anzusprechen. Tatsächlich, er war’s und erwies sich als ausgesprochen umgänglich und erfreut über die Begeisterung eines jungen Fans in Hippy-Outfit und mit langen Haaren. Wir sprachen über ein paar seiner Aufnahmen, dann musste er weiter. Er wohnte im Berner Schweizerhof, damals das Nobelhotel auf dem Platz. Vorher tauschten wir Adressen. Ein paar Wochen später erreichte mich eine Postkarte aus Acapulco und noch etwas später ein Paket mit Schallplatten inkl. Einladung zum Besuch, wenn ich je in die Gegend käme. Bin ich leider nie, aber ich traf Teddy Stauffer bei zwei weiteren Gelegenheiten in Bern unter ähnlichen Umständen. Jedesmal ein herzliches Wiedersehen und ein angeregtes Gespräch auf offener Straße. Eingebildet war er bestimmt nicht.
    Bei der Geschichte mit dem Barfußlaufen und den Schuhen, die Sie kolportieren, hat TS wohl etwas geflunkert. Er kam regelmäßig zurück in seine Heimatstadt, zeigte sich aber wenig begeistert über deren Entwicklung.

    Kleine Anregung: überlegen Sie sich doch bitte, TS eine eigene Homepage zu widmen, auf der sich eine Biographie, Erinnerungen, Ton- und Bilddokumente unterbringen liessen: teddystauffer.ch /.de / .com ?

    Jedenfalls vielen Dank für Ihre Bemühungen

    R. Knöpfel

Leave a Reply